Zerbrechlich sind sie,
trotz der Bronze,
in die sie gegossen wurden,
schwankend wie Äste im Wind,
und still, wenn wir nichts sagen.
Ulrike Kleinert
Der Garten der Menschenrechte im Bremer Rhododendronapark gehört zum weltweiten Kunstprojekt "INSCRIRE",die Menschenrechte (ein)schreiben, das der belgischen Künstlerin und Urbanistin Francoise Schein zu verdanken ist. Unser gemeinsames Ziel war und ist es, die UN Menschenrechtserklärung von 1948 rund um den Erdball herum an öffentlichen Orten lesbar zu gestalten und damit im öffentlichen Bewusstsein zu bewahren. Gerade auch in der gegenwärtigen und für die zukünftige Zeit handelt es sich bei dieser Erklärung um den wichtigsten Text für das menschliche Zusammenleben.
Zwischen 2000 und 2003 entstand der Garten der Menschenrechte (GdMR) im Bremer Rhododendronpark. Die Idee, alle 30 Artikel der UN-Menschenrechte-Erklärung in einem Park zu präsentieren, hing auch mit der damaligen Agenda 21 Diskussion auf kommunaler Ebene zusammen. Es ging darum, die natürlichen Ressourcen zu erhalten, sich für sie auch im nahen Umfeld einzusetzen: Es ging z.B. um Umweltschutz, kurze Wege für Nahrung, Pflege der Vielfalt in der natürlichen Umwelt.
Diese Themen haben uns bewogen, in diesem besonderen Park die Menschenrechte zu installieren. Der Park setzt sich nicht nur für den Erhalt der Vielfalt von Rhododendren und Azaleen ein, sondern ganzjährig werden dort vor allem einheimische, und auch ganz aktuell klimaresistente Pflanzen/Bäume in ihrer Mannigfaltigkeit gepflegt. Damit entsteht die Verbindung zu den Inhalten der universalen, unteilbaren Menschenrechte. Sie müssen ebenfalls gepflegt werden, um allen Menschen weltweit die gleichen Rechte und Freiheiten zukommen zu lassen. Diesen Zusammenhang verdeutlichen wir in der jährlichen Kulturveranstaltung und in der Zusammenarbeit mit Schulklassen.
Angelehnt an Vorgängerprojekte (z. B.in Paris, Stockholm oder Lissabon) handelt es sich in Berlin auch um die Gestaltung einer U-Bahn-Station. Die Texte der Menschenrechte wurden auf Wandfliesen gebrannt und künstlerisch gestaltet. „Sie sollen nicht einfach abgelesen werden können“, kommentierte Francoise Schein die Darstellung. Zusätzlich gibt es dort Hinweise auf diesen geschichtsträchtigen Ort, an dem in der Zeit des Nationalsozialismus die Menschenrechte in furchtbarer Weise missachtet wurden. Jüdische MitbürgerInnen Berlins wurden von der nahegelegenen Bahnstation deportiert.
Mitte des Jahres 2000 brachte die Philosophin Barbara Reiter (Initiatorin von WESTHAFEN ) die INSCRIRE Idee nach Bremen. Dort entwickelten sie und vor allem die Soziologin Witha Winter von Gregory mit vielen Unterstützenden, den Garten der Menschenrechte im Bremer Rhododendronpark.
Der Rhododendronpark bot sich an, die Menschenrechte genau dort sichtbar zu präsentieren, da er als öffentlicher Ort von vielen, unterschiedlichen Besuchergruppen von Nah und Fern rund
um die Uhr und ganzjährig besucht werden kann.
Seit 2003 liegen alle 30 Artikel als Bronzebänder an den Wegesrändern. Sie lassen sich „en passant“ entdecken und bieten sich an, darüber ins Gespräch zu kommen. Aber, ebenso wie der Park müssen die ebenerdig verlegten Bänder ständig gepflegt werden, jahreszeitlich bedingt einmal weniger und einmal mehr.
Aus den vier Himmelsrichtungen führen die verlegten Bänder in die Mitte des Rhododendronparks. Von dort lenkt der Bildungsartikel (Artikel 26) die BesucherIn in die Botanika. Dabei handelt es sich um ein riesiges Gewächshaus, errichtet für Rhododendren aus verschiedenen Klimazonen. Die sogenannten grünen Klassenzimmer laden ein, sich tiefer mit biologischen Abläufen zu beschäftigen. Daneben werden auch Besonderheiten aus der Tierwelt präsentiert.
Bremer Lehrer und Schüler übernehmen Pflegepatenschaften für die Menschenrechte, die im Herbst unter Laub verschwinden und im Sommer durch Grass überwuchert werden. Die Patenschaften an diesem außerschulischen Lernort bieten eine Riesenchance, um sich nachhaltig mit den Inhalten der Menschenrechte und mit Umweltsfragen zu beschäftigen. Mitglieder des Freundeskreises bieten an, den normalen Schulunterricht mit Themen über Menschenrechte/Kinderrechte zu begleiten.
Alljährlich lädt der Freundeskreis GdMR mit KooperationspartnerInnen zu einer großen Kulturveranstaltung ein, um ein aktuelles Menschenrecht im Park „zum Klingen zu bringen“.
Musizierende aus Bremen, Schulklassen mit vorbereiteten Aufführungen, NGO's und andere Mitwirkende sind eingeladen sich passend zur jeweiligen Thematik zu beteiligen.
In den vergangenen Jahren waren z.B. Die Norddeutsche Mission, Brot für die Welt, UNICEF, BUND, NABU, Human and Environment, Terre des Hommes, Cornerstone Domino e.V., JEP (Jugendpolitisches Forum), biz (Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung), der Horner Jugendbeirat und das Mütterzentrum Osterholz Tenever beteiligt.
An verschiedenen „Marktständen“ präsentieren sich die o. g. Aktiven vor Ort.