Freundeskreis 

Garten der Menschenrechte


Putzaktion mit dem Gymnasium Horn

Die 6d des Gymnasium Horn war im Garten der Menschenrechte zu Besuch:

KulturMitmachMarkt 2020 

Video über den KuMiMa im September

Redebeiträge vom KulturMitmachMarkt 2020

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KulturMitmachMarkt, Samstag 12.9.20 im Garten der Menschenrechte im Rhododendronpark Bremen 

Rede von Prof. Dr. Annelie Keil

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Freiheit, die wir meinen- aber welche ist das und in welcher Not steckt sie?

1.    Dem Recht eines jeden Menschen auf gesunde Lebensbedingen, auf den Schutz für Leib und Leben, auf die Förderung der Fähigkeit, Verantwortung  übernehmen zu können und den aufrechten Gang eines freien Menschen lebenslang zu üben ist die andere Seite dieser Medaille eingeprägt

 

2.   Nämlich die Pflicht eines jeden Menschen, sich für die Ausgestaltung und Durchsetzung der Menschenrechte unter den jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Bedingungen einzusetzen. Menschenrechte und Menschenpflichten sind die zwei Seiten einer Medaille, ein mühsam erworbenes ethisches bedingungsloses Grundeinkommen, das wir alle brauchen. Sie bieten keine einklagbare Garantie, sondern eine Art Abkommen und gegenseitiges Versprechen zwischen dem einzelnen Menschen auf der einen und der Gesellschaft als  menschlicher Gemeinschaft auf der anderen Seite,  das individuelle und das Leben der Anderen zu schützen und für Bedingungen zu sorgen, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.  

 

3.    Ein Blick zurück. Einzeln und allein wäre der Mensch verloren. Er muss in Beziehung treten und sich zusammentun, sich sozusagen im Austausch mit der Welt ansiedeln. Um zu siedeln, sich einen Ort zum Überleben zu suchen, gemeinschaftliches Leben zu organisieren, die Ernährung zu sichern, Tiere zu halten, Häuser zu bauen, also unterschiedliche Infrastrukturen für gesunde Lebensbedingungen zu schaffen,  mussten Menschen,  Stämme  und umherziehende Gruppen-  seit es sie gibt- Schritt für Schritt ihr  „Nomadentum“ als ihre spezifische „ grenzenlose“ Mobilität aufgeben und sich niederlassen, Eigentum bilden,  sich mit  sichtbaren und unsichtbaren Zäunen gegen Fremde abgrenzen. Später wurden sie dann genauer gezählt, nach Sprachen, Religionen, Kulturen, Nationen und anderen Kriterien geordnet.  Man wollte ausfindig machen, wer dazu gehörte, wer Untergruppen bildete, wer mit wem lebte, wie alt, wie krank, wie kriminell die „Einwohner“ waren. Der Wanderungs-, Siedlungs- Flucht- und Bewegungsprozess der Menschen wurde in feste Bahnen gelenkt. Es sollte klar sein, wer wohin gehört, wer ansässig ist und bleibt, wer zugewandert ist, wie die Geschlechteraufteilung aussieht und sich verändert, von was die Menschen leben, wie alt sie sind, wen sie wählen, was sie essen, und vieles mehr. Melderegisgter, Einwohnermeldeämter der unterschiedlichsten Art, digitale Dokumentationszentren entstanden und entstehen! Freie Bewegungen sollten in Bahnen „gezähmt“, verändert und den modernen Ordnungs- und Kontrollsystemen einverleibt werden.

  

4.    Diese große Aufgabe, das Leben  der Menschen als würdiges Zusammenleben über alle Grenzen und Unterschiede hinweg  immer wieder neu organisieren, war und bleibt schwer, ist von Konflikten umstellt und bedarf des Ausgleichs von Interessen, der Freiheitsbedürfnisse und der Einsicht in die Nöte und Notwendigkeiten menschlichen Zusammenlebens. Die Erklärung der Menschenrechte und Menschenpflichten ist der umfangreichste und bedeutendste historische Versuch, diese Anmahnung zum Grundsatz eines demokratischen, würdigen und freien Miteinanders zu verfolgen. 

 

5.     Wer heute hier durch diesen wunderbaren Garten der Menschenrechte im Rhododendronmarkt Bremen  wandert, seine Mund Nase Maske mitgebracht hat und die Hygienevorschriften einhält, wird sich vermutlich nicht seiner Freiheitsrechte grundsätzlich beraubt fühlen, sondern folgt wahrscheinlich -mehr oder weniger überzeugt- der gesundheitspolitisch und hygienerechtlich begründeten  Aufforderung, das Infektionsrisiko für andere Menschen zu mindern. In Pandemiezeiten gehört das zum Recht auf gesunde Lebensbedingungen und ohne die Beachtung dieser einschränkenden Maßnahmen hätte die Veranstaltung nicht stattfinden können. Dies wie die kritische Hinterfragung um die Angemessenheit der Maßnahmen gehört zum Diskurs über die freiheitlich demokratische Grundordnung und ihre Rahmenbedingungen – etwa in Verordnungen zur Versammlungsfreiheit und zum Interessenausgleich

 

6.    Wer den Spuren der in Stein gemeißelten Menschenrechte in diesem Garten folgt, stößt indirekt auf die beiden Seiten der Medaille, wenn er über die doppelte wie einheitliche Botschaft nachdenkt, die in ihnen steckt. Frei ist ein Mensch, der so lebt, wie er aus eigenem Antrieb und aus eigener Überlegung will. (a)Können und wollen wir das? Antriebe und Überlegungen geraten in Widerspruch. Was wir müssen, sollen, können, 

wollen und dürfen verlangt einen ständigen Dialog zwischen Anpassung und Widerstand, Traum und Wirklichkeit.

·       Ein freier Mensch ist jemand, der sich von sich selbst oder anderen auf die richtige Weise fesseln lässt, der etwas kann, will und darf.-„ Wir sind Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“, heißt es bei Albert Schweitzer.  Aber wie und wann wirft man die Fesseln ab, die man sich selbst oder die Gesellschaft einem angelegt hat?

·        Ein freier Mensch zu sein, bedeutet, wählen zu können, für Anliegen zu kämpfen und für sich und die Gemeinschaft Sorge zu tragen.

·        Ein freier Mensch ist jemand, der sich selbst zu binden und auch zu entbinden weiß, der sich vor allem auch mit der Unverfügbarkeit und Ungewissheit der eigenen Existenz verbunden weiß, der Schwäche, Krankheit, Unvermögen, Fragilität akzeptiert und weiß, dass das Leben ohne den Tod nicht zu haben ist. 

 

7.    Nur der „Tyrann“ und die Anhänger von Bevormundung und   Tyrannei aller Art glauben, sie könnten alle Fesseln abwerfen, sich an die erste Stelle setzen, sich die Freiheit nehmen, nur auf eigene Rechnung zu handeln. Zu viel dieser Tyrannei, von Überheblichkeit, Ausgrenzung, Beschränkung und Missbrauch geistiger Offenheit und Meinungsfreiheit, Verweigerung des emotionalen Schutzes, sozialer Gerechtigkeit bedroht gegenwärtig und global unsere individuelle Lebensqualität, die unseres gemeinschaftlichen Zusammenlebens und unsere Zukunft. Sie betreibt ihr Geschäft nicht nur global und sichtbar in der Verletzung der Menschenrechte und der Vernachlässigung der Menschenpflichten, sondern auch teilweise unsichtbar in unseren Familien, Schulen, Betrieben, Krankenhäusern, Städten und Dörfern.

 

8.    Mutig Aufmerksamkeit üben, nicht ausweichen, wo nötig Widerstand leisten und die Menschenrechte zum eigenen Anliegen zu machen, ist angesagt. Gesundheit ist nicht ein  Zustand ohne Befund. Auch medizinisch ist der erkrankte Mensch mehr als sein Befund. Im Gegenteil: Gesundheit ist weder käuflich zu erwerben noch auf Rezept, per Gesetz oder Versicherungsleistung der Krankenkassen zu verordnen oder gar zu garantieren. Gesundheit ist vielmehr eine Lebenskompetenz,die persönlich wie gesellschaftlich lebenslang und durch alle Verhältnisse hindurch erworben werden musss. Sie ist dem körperlichen, seelischen, geistigen, sozialen und spirituellen Wohlbefinden (WHO), also einer umfassenden Lebensqualität menschlichen Daseins verpflichtet und das Werkzeug , mit dem wir allein und zusammen mit anderen für die Lebensbedingungen kämpfen, die wir gesund nennen. Gesundheit ist eine Lebensleistung- und dabei kann und darf man auch krank werden, weil Leben Gesundheit gefährdet. Hauptsache gesund! - ist der falsche, zumindest problematische Wunsch Sylvester 2020/ 2021. Das lebendige Leben weiter zu erfinden und zu gestalten ist nicht nur in Zeiten der Pandemie eine gesunde Alternative

Möge die Übung gelingen, heißt es im Zirkus!

 

(Mehr zur Nachlese: www.anneliekeil.de)

 

Grußwort von Anette Düring, DGB Bremen

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Das (Menschen-)Recht auf gesunde Lebensbedingungen

Bezugnehmend auf die Artikel:

  • Artikel 23 (1): Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.


  • Artikel 25 (1): Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.


Man sollte meinen, dass gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen eine Selbstverständlichkeit darstellen. Wer will schon schlechte und ungesunde Lebensbedingungen? So einfach ist es jedoch leider nicht.


Die Durchsetzung des Rechts auf gesunde Lebensbedingungen ist nicht erst seit der Corona-Pandemie ein wichtiges Thema. Die Gewerkschaften streiten seit ihrer Gründung als Arbei-tervereine in den 1830er Jahren für gesunde und faire Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle Menschen.


In Bremen jährt sich im nächsten Jahr die Neugründungen der Gewerkschaften nach dem zweiten Weltkrieg zum 75ten Mal. Wir waren stets mit der Durchsetzung dieses Rechts befasst.


Seit 1948 sind gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen als Menschenrechte in der Allge-meinen Erklärung der Menschenrechte festgehalten:


  • Artikel 23, Absatz 1 sieht vor, dass alle Menschen ein Recht auf gute Arbeit haben


  • Artikel 25, Absatz 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sieht vor, dass alle Menschen ein Recht auf gesunde Lebensbedingungen haben, die Gesundheit und Wohl gewährleisten.


Beides kann man nicht voneinander trennen: Arbeit und Leben gehören zusammen, gesunde Lebensbedingungen sind ohne gesunde Arbeitsbedingungen nicht zu haben

Die Gewerkschaften haben diesen Zusammenhang immer betont und viele Erfolge erstritten, die uns heute selbstverständlich erscheinen, aber das Ergebnis harter Auseinandersetzungen waren:

  • Der Acht-Stunden-Tag
  • Das Verbot von Kinderarbeit
  • Lohnfortzahlung im KrankheitsfalloBezahlter Urlaub
  • Die Durchsetzung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes


All diese Beispiele gehören für uns heute zur guten Arbeit und gesunden Lebensverhältnissendazu, sie sind aber nicht von allein entstanden, sondern weil Kolleginnen und Kollegen sich organisiert haben, um Druck auf die Politik auszuüben als Gesetzgeber tätig zu werden und dies gegen die Interessen der Arbeitgeber durchzusetzen.


Die Corona-Pandemie zeigt uns erneut auf, dass gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen etwas sind, das regelmäßig erkämpft und verteidigt werden müssen.
Gerade in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, aber auch im Einzelhandel konnten wir Entgrenzungen während der Pandemie feststellen:

  • In der Pflege ist die Arbeitszeit auf 12 Stunden entgrenzt worden, anstatt die Leistung der systemrelevanten Berufe anzuerkennen und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern


  • Im Einzelhandel hat sich die Arbeitsbelastung während des Lockdowns vervielfacht: Eine Aufwertung ihrer Arbeitsverhältnisse ist bislang nicht in Sicht


  • In vielen Branchen ist der Gesundheits-, Arbeits- und Infektionsschutz für die Kolle-ginnen und Kollegen nur auf Druck der Gewerkschaften durch die Arbeitgeber auf dieneue Situation angepasst worden. Es bleibt eine Daueraufgabe, dass Menschen während ihrer Arbeit nicht krank werden.


Viele Menschen standen während der Pandemie Abend für Abend an ihren Fenstern, um sys-temrelevanten Berufsgruppen durch Klatschen ihren Dank auszudrücken. Solche Solidaritäts-bekenntnisse sind wichtig, aber sie verändern die Situation nicht.
Wer gesunde Lebensbedingungen für alle Menschen durchsetzen will, die*der muss sich in Gewerkschaften organisieren und diese gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen gegen-über den Arbeitgebern und der Politik durchsetzen

Gerade in Pandemiezeiten zeigt sich: Solidarisch ist man nicht alleine!

Frühjahrsputz 2019

Auch in diesem Jahr gab es wieder tatkräftige Unterstützung bei der Pflege der Bronzebänder.
Hier der Bericht des Weser-Kuriers: