Aktivitäten


Die Wanderausstellung „Bremen - Stadt der Menschenrechte“, die Eva Senghaas und Witha Winter vom Freundeskreis unter Mitwirkung einer Planungsgruppe 2018 erstellten, wandert seit 2018 durch verschiedene Bremer Stadtteile. 
 

Der KulturMitmachMarkt 2022 findet am 9. Juli zwischen 15.00 und 18.00 Uhr statt. Mit dem Thema „Bildung ist ein Menschenrecht. Bildung ist die Voraussetzung für ein nachhaltiges Miteinander“ laden Menschenrechtsgruppen und andere engagierte Kulturinitiativen Besucher aller Alterstufen ein, mitzumachen, zuzuhören oder einfach en passant dabei zu sein.

Über den KulturMitmachMarkt 2020 mit dem Thema "Das Recht auf gesunde Lebensbedingungen " hat Niccolo Dietrich ein kleines Video gedreht: 
https://www.youtube.com/watch?v=RaXiqTozKkw&feature=youtu.be 

Der KulturMitmachMarkt 2021 fand wie jedes Jahr im Garten der Menschenrechte (Bremer Rhododendronpark) statt. Unter dem Motto: "Gemeinsam für das Recht auf Kultur". 

Der Frühjahrsputz/Herbstputz mit Jugendlichen aus den Kirchengemeinden und Schulen konnte während Corona-Hochzeiten nur einmal mit einem kleinen Programm durchgeführt werden.


Lichteraktionen 2020 und 2021 entlang der Menschenrechtsbänder am Tag der Menschenrechte am 10. Dezember gegen Abend, um an diesen denkwürdigen Tag zu erinnern.


Die Pflegepatenschaften

Die Pflege der Bronzebänder übernehmen sporadisch weiterhin einzelne ehrenamtliche Ältere. Zwei Jugendliche  arbeiten je nach Wetterlage regelmäßig im Park, übernehmen das Abgraben der Grassonden und kümmern sich um die Lesbarkeit aller 620 Meter Bronze. GärtnerInnen aus dem Rhododendronpark unterstützen die Pflegepaten.

 

"Wir denken, dass es heute darauf ankommt, die vielfältigen kulturellen Beiträge für eine gemeinsame Kultur des demokratischen Gemeinwesens aktiv zu fördern und zu würdigen." (Eva Senghaas-Knobloch) 


Rede zur Ausstellungseröffnung von Eva Senghaas-Knobloch


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 Rede zur Ausstellungseröffnung der Bremer Liebfrauenkirche, März 2022

Liebe Engagierte und Interessierte!

Manche Bilder prägen sich tief ein: das schreiende Mädchen, das sich vor Napalmbomben
in Vietnam zu retten versuchte, der kleine Junge aus Syrien, am Strand angeschwemmt
- ertrunken bei der Flucht, ein kleines Menschenwesen in Yemen, nur
noch Haut und Knochen. Es sind Bilder aus Kriegen und ihren abgründigen Mangelsituationen.
Ich schrieb diese Worte vor einem Jahr, kurz bevor wir die Eröffnung unserer
Ausstellung in dieser wunderschönen Kirche wegen der Coronapandemie absagen
mussten. Heute sind uns Not und Leid durch Krieg näher gerückt, an die Grenzen
der EU in der Ukraine.

Keine Generation übernimmt einfach die Lehren vorangegangener Generationen oder
aus anderen Ländern, obschon sie in Verfassungen und Institutionen Eingang gefunden
haben:
Noch während des Zweiten Weltkriegs gab es politische Initiativen, um nach dem gescheiterten Völkerbund mit der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) eine
neue internationale Organisation ins Leben zu rufen. Der Gründungsvertrag, die
Charta der Vereinten Nationen wurde schon wenige Wochen nach Kriegsende im
Juni 1945 von 50 Gründungsstaaten unterzeichnet. Drei Jahre später, am 10. Dezember
1948, nahm die UNO-Vollversammlung, damals schon 58 Mitgliedsstaaten, die
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte an, ohne Gegenstimmen, aber mit 8
Enthaltungen von Jugoslawien, Polen, Saudi-Arabien, Sowjetunion, Südafrika,
Tschechoslowakei, Ukraine und Weißrussland. Heute bekennen sich 147 Staaten zu
der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.
Diese war unter der straffen Leitung von Eleanor Roosevelt, der Witwe des Präsidenten
Franklin Roosevelt und Botschafterin bei der UNO, von 18 Männern und Frauen
aus Australien, Chile, China, Frankreich, dem Libanon, der Sowjetunion, Großbritannien
und den Vereinigten Staaten erarbeitet worden und umfasst 30 Artikel, (das Fehlen
afrikanischer Staaten verweist auf den damals noch herrschenden
Kolonialismus).

Auch die UNESCO, die neue Sonderorganisation der UNO für Erziehung, Wissenschaft
und Bildung hatte sich 1947/48 um das Thema Menschenrechte bemüht. Ihre
Gründungsurkunde sagt schon in Artikel 1: „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen,
muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“ Von Seiten
der UNESCO waren Personen aus den Geisteswissenschaften in verschiedenen Bereichen
und Regionen gefragt worden, wie sie an die Aufgabe einer allgemeinen Erklärung
der Menschenrechte herangehen würden. Das Ergebnis der Umfrage war sehr
gemischt: Etliche Antworten verwiesen auf die weltweit sehr verschiedenen Voraussetzungen
und Schwierigkeiten für solch ein Unterfangen mit Blick auf die diversen
Kulturen und Religionen oder lehnten es gänzlich aab Der gleichwohl entstandene
Bericht darüber war bis vor wenigen Jahren verschollen.

In unserer Gegenwart ist inzwischen weltweit eine stark auftretende skeptische oder
ablehnende Auffassung gegenüber allgemein geltenden Menschenrechten politische
Realität. Demgegenüber benannte die kleine von der UNO 1946 eingesetzte Kommission unter Vorsitz von Eleanor Roosevelt in ihrem relativ kurzen Text schon im ersten Satz
der Erklärung „die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie“ innewohnenden Würde sowie die gleichen und unveräußerlichen Rechte „als Grundlage
der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt.“

Es wird nicht versucht, den Universalismus, der im Begriff der menschlichen Familie
zum Ausdruck kommt, philosophisch-konzeptionell zu begründen; vielmehr wird er
von den negativen Folgen einer Missachtung der Menschenrechte her plausibel gemacht,
nämlich mit Blick auf die Barbarei durch Gewaltregime und Kriegsgräuel,
die auch das Gewissen verletzt. Darüberhinaus wird ein Argument politischer Klugheit
benannt: Menschenrechte sind durch die Herrschaft des Rechts zu schützen, damit
Menschen nicht zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung als letztem
Mittel gezwungen werden.
Entsprechend verkündet Artikel 1: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen".

Artikel 2 geht noch einmal ausdrücklich darauf ein, dass wirklich alle Menschen
den gleichen Anspruch auf Menschenrechte und Freiheiten haben, u.a. unabhängig
von der Stellung des Landes, dem eine Person angehört.
Dieser Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 folgten 1966 aus Gründen
politischer Konsensfähigkeit in Kalten Kriegszeiten zwei verschiedene Internationale
Menschenrechtspakte, einer für die bürgerlichen und politischen und einer für
die sozialen, ökonomischen und kulturellen Rechte. Die verbreitete Ratifizierung
beider Pakte schuf aber die völkerrechtlichen Grundlagen für ihre Zusammengehörigkeit.
In der Praxis der Staaten allerdings werden die Menschenrechte immer wieder verletzt,
von einigen Mächten auch offen bekämpft. Es werden einzelne Rechte gegeneinander
ausgespielt, und neuerdings werden die Unterschiede, besonders die gefühlten
Unterschiede zwischen den Mitgliedern der „menschlichen Familie“ wieder besonders
hervorgehoben: Identitätspolitiken aller Art gehen im Innern der Gesellschaften
nicht selten mit der Zerrüttung von zivilen Streitkulturen und mit Gewalt zusammen
und in Konflikten zwischen Gesellschaften mit Krieg. Der in Artikel 28 verankerte
Anspruch auf eine soziale und internationale Ordnung, in der Rechte und Freiheiten
aller Menschen verwirklicht werden können, gerät in Kriegszeiten schnell aus
dem Blick.

Also doch alles nur erhabene Worte, die man sich angesichts der großen Konflikte
und nahen Kriege heute sparen sollte, weil sie nur vertuschen, was an real an Ungerechtigkeit
und Gewalt geschieht? So zu urteilen verkennt, dass die Erklärung von
Staaten angenommen wurde und diese auch verpflichtet, aber genau so auch jeden
einzelnen Menschen, wie in Artikel 29 aufgeführt:
„Jeder Mensch hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und
volle Entwicklung seiner Persönlichkeit möglich ist“.
Das steht in Verbindung zu dem Eingangssatz der Erklärung, demzufolge jeder Einzelne
und alle Organe der Gesellschaft die Achtung dieser Rechte und Freiheiten zu
fördern haben.

Ohne zivilgesellschaftliches Engagement geht es nicht. Eleanor Roosevelt hatte anschaulich
dargestellt, worauf es damals wie heute ankommt:
"An den kleinen Plätzen, nahe dem eigenen Heim. So nah und so klein, dass diese Plätze auf keiner Landkarte der Welt gefunden
werden können. ...Das sind die Plätze, wo jeder Mann, jede Frau und jedes Kind gleiche Rechte, gleiche Chancen und gleiche Würde ohne Diskriminierung sucht. Solange diese Rechte dort keine Geltung haben, sind sie auch woanders nicht von Bedeutung. Wenn die betroffenen Bürger nicht selbst aktiv werden, um diese Rechte in ihrem persönlichen Umfeld zu schützen, werden wir vergeblich nach Fortschritten in der weiteren Welt suchen."

Dementsprechend enthält unsere Ausstellung Portraits von Personen in Bremen und
Aktivitäten von Gruppen, vielen Jugendlichen, die sich für Menschenrechte einsetzen.
Bei den Portraits finden Sie kurze Sätze, mit denen eine portraitierte Person ihr
Engagement für ein bestimmtes Menschenrecht begründet. Den ersten Satz hat für
Artikel 1 unser - leider früh verstorbener - Bremer Bürgermeister Hans Koschnick
geschrieben. Natürlich gibt es in Bremen viel mehr engagierte Menschen und es müssen
noch mehr werden, die weitere ermutigen, mit öffentlicher Kritik, mit kulturellen
Beiträgen, mit konstruktiven Vorschlägen und mit Zivilcourage den universalen Menschenrechten Geltung zu verschaffen.

Unsere Ausstellung entstand im Zusammenhang mit dem 70. Jahrestag der Erklärung
der Menschenrechte 2018, weil es in Bremen schon seit Beginn unseres Jahrhunderts
den Garten der Menschenrechte gibt, gegründet von Witha Winter von Gregory, die
auch die Idee zur Ausstellung hatte. Im Zusammenhang mit dem internationalen Projekt
inscrire von Francoise Schein – die Menschenrechte schreiben – hatte sie zu
Beginn unseres Jahrhunderts die Idee und mit Barbara Reiter umgesetzt, dass es heute
zur Bewahrung der Menschenrechte notwendigerweise auch auf die Erhaltung unserer
natürlichen Lebensgrundlagen ankommt.

Die Artikel der Menschenrechte in der Allgemeinen Erklärung säumen daher auf
Bronzebändern viele Wege im Rhododendronpark als einer Gartenkultur; sie bedürfen
der Pflege, so auch ihre Inhalte. Um ihre Botschaften lebendig zu machen, finden
jedes Jahr besondere kulturelle Veranstaltungen statt; hervorzuheben ist in diesem
Jahr der sog. KulturMitMachtmarkt am 9. Juli zum Recht auf Bildung und nachhaltige
Entwicklung. Wie immer stellen sich einschlägig tätige Bremer Initiativen vor,
diesmal von A wie Amnesty International über M wie musikalische Darbietungen bis
zu U wie Projekten der Bremer UNESCO-Oberschulen und Gymnasien, die sich der
Nachhaltigkeit verschrieben haben.

Wir, der Freundeskreis Garten der Menschenrechte und das Bremer Informationszentrum
Menschenrechte und Entwicklung, laden Sie herzlich ein, dabei zu sein.
Eva Senghaas-Knobloch